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In letzter Zeit stoße ich irgendwie immer wieder mit der Vagina zusammen… 
Ich habe neulich die „Vagina Monologe„ von Eve Ensler gelesen, da geht es ganz viel um die weiblichen Geschlechtsorgane. Ich wohne mit noch fünf Frauen (und nur zwei Männern) in einer WG zusammen. An der Uni habe ich nur Dozentinnen und Professorinnen. Meine Ärzte sind auch alle weiblich. Dann gehe ich in eine Buchhandlung. Ich bräuchte etwas über das Thema Gender und eins der ersten Bücher, auf welches ich stoße, heißt „Fucking Berlin“. Es handelt von einer Prostituierten, die Vollzeit -Prostituierte und Teilzeit -Mathematik-Studentin ist. Dann das nächste Buch: „Elf Minuten“ von P.Coelho. Etwas älter, aber auch zum selben Thema: Prostituierte aus Brasilien landet in der Schweiz - und dann im Bordell (wo denn sonst). Dann kommen noch einige andere Bücher mit dem gleichen Motiv, der Stil ist anders, einige mehr literarisch gehoben, andere weniger, aber eins haben alle gemeinsam - die Prostitution! Weil ich eine Frau bin, und zwar eine typisch neugierige, habe ich die Bücher natürlich gelesen. Die waren alle beeindruckend, es gab Schwierigkeiten, Leid, Sehnsucht, etwas Sentimentalität. Aber das war nicht alles. Die andere Seite nämlich, die tollen Abenteuer, die wirklich schönen Begegnungen, die Aufmerksamkeit der Freier, die tollen Orgasmen, Verliebtheiten dieser Männer, ihr Begehren… das alles war so schön dargestellt, dass man fast neidisch sein könnte. Entschuldigung, wo ist hier links?!?  Ja, es klingt komisch für mich, aber na ja, diese Prostituierten waren immer fit, schön, klug, intelligent, gut gestylt, informiert - und dann kommt am Ende „der Prinz“, rettet die Arme und bringt sie in sein Königreich, wohin sie eigentlich auch wollte. Nur gab es eben einen kleinen Zwischenstopp: nämlich das Bordell. Ist es mit diesen Heldinnen heute wirklich so wie auf dem Papier geschrieben? Die bewegten Bilder, nämlich die Filme, haben das gleiche Protokoll bezüglich unserer Siege. Zur Bestätigung: Zufällig bin ich dieses Jahr auf der Berlinale gelandet. Ohne vorher informiert zu sein über das Programm, habe ich mir drei Filme ausgesucht, um zu sehen wie es um die momentane Inspiration großer Film-Künstler steht. Ob Sie es glauben oder nicht - alle drei handelten vom „ältesten Gewerbe der Welt“. Klar gab es auch dort Variationen, je nachdem aus welchem Land der Film kam. … und all die heiligen Huren Wenn ich dann noch bedenke, was ich bescheiden, aber dennoch weiß um die Tempelprostitution, die Heilige Prostitution in Babylon, über die Ehre, die Macht, die gesellschaftliche Position, die Gaben und Güter, welche den Prostituierten-Göttinnen zukamen, dann bin ich definitiv getroffen. Ich frage mich, mein Gott, wenn das alles so ist, ist dann tatsächlich die Prostitution so schlimm? Steckt darin wirklich so viel Drama oder ist es nur sehr aufregend für den größten Teil der unausgelebten Masse? Was steckt eigentlich dahinter? Und wir??? Was ist mit all den anderen armen Mädchen, in den Boutiquen, Läden, an den Kassen, in den Fabriken, Cafés, Hotels, Kosmetik-Studios, mit den Friseurinnen, Putzfrauen, Bäuerinnen, Pflegerinnen in Krankenhäusern, Soldatinnen… Millionen davon überall auf der Welt? Wie so schreibt niemand etwas über sie und für sie? Die sind doch auch arm, arbeiten viel und schwer für den geringsten Lohn, sehen nicht sexy aus, aber nicht weil sie sich das nicht wünschen, sondern weil es keine Zeit dafür in ihrem Leben gibt! Viele von ihnen haben keinen tollen Sex, viele sogar gar keinen, keine Orgasmen und von serialen Orgasmen haben sie vielleicht nicht einmal gehört. Die versuchen doch auch das Leben auf die Reihe zu kriegen, dabei auch ihre Ehre und das gute Gewissen zu bewahren! Ist das eigentlich zu wenig geworden? Reicht das nicht mehr für ein Künstler Crescendo? Wieso schreibt niemand über so ein normales, einfaches Mädchen ein Buch? Sechzehn oder mehr Stunden am Tag zu putzen und das Jahre lang so, reicht das nicht für ein Drama? Oder ist diese Art von Leiden nicht aufregend genug, nicht so aufregend wie ein Sado-Maso-Orgasmus, mit einem speziellen Freier, bei dem noch einiges an materiellen Gütern herausspringt? Die Dramatik des Alltags Ich denke, so ein gewöhnliches Leben kann genau so schwer sein, genau so traurig sein, genau so viel Leiden tragen und genau die gleiche Masse an Schmerz haben wie das Leben einer Prostituierten. Alle Frauen kämpfen für ihre Existenz und sind Heldinnen auf ihre Art – worüber man natürlich schreiben kann. Es gibt allerdings genug andere Dramen, die die Frauen betreffen, in Afrika, Asien, Lateinamerika, Ost-Europa, die nicht nur ein Buch, sondern mehrere Bände in mehreren Auflagen füllen würden! Die Vagina macht überall auf der Welt die verschiedensten traurigen, schmerzvollen, dramatischen Erfahrungen und darüber könnte man wunderbare, bewegende Romane, Filme, Bilder kreieren - katarsisch und tröstend für viele andere Frauen. In so einer „gewöhnlichen“ Geschichte würden sich viele Herzen wieder erkennen, sie würden berührt sein, einige inspiriert, einige beruhigt, einige erleichtert. Und vielleicht dankbar, dass nicht irgendjemand, sondern eine „künstlerische Autorität“ etwas über ein „normales Mädchen“ geschrieben hat. Orientierungslose Muse Sie verdienen genau so viel Aufmerksamkeit von Schriftstellern, Dichtern, Musikern, Regisseuren, Künstlern jeglicher Art… Auch sie sind Inspiration und Muse für gute Werke, dessen bin ich mir sicher. Vor allem könnte es sehr hilfreich sein für die Emanzipation der Frauen: entwicklungsfördernd, edukativ, produktiv. Es ist schön, jede Form von Leben zu feiern und nicht nur diese, die wir schon kennen. Wir können auch neue Fenster öffnen und die Horizonte verbreitern. Gute Künstler können sich doch von allem und jedem inspirieren lassen, nicht wahr?! P.S. vorausgeschickt Nur um einem Missverständnis vorzubeugen: Ich rede hier nur von Frauen, die sich freiwillig für das älteste Gewerbe entschieden haben und nicht von entführten und verschleppten, missbrauchten Frauen. Das möchte ich betonen. Evita Peron |