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Mittwoch, 8. September 2010
Top-Manager versus Hausfrauen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Martha Feudel   

Hausfrauen seien gestresster als Manager !?!

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- geisterte es diese Tage durch die Medien. Eine Studie brachte es ans Licht.

Heutzutage können wir zu fast jedem Thema eine Studie finden, je nach Interessengruppe, die ihre These wirksam und wissenschaftlich unterstützt haben will. Gibt es da vielleicht heimlich eine Hausfrauenlobby - etwa die Deutsche Hausfrauengewerkschaft DHG, oder die Hausfrauenvereinigungen innerhalb der kfd  (Gemeinschaft Katholischer Frauen), die es mit Geld und Beziehungen bis auf die Titelseite von Bild und Express geschafft haben?
Nein, eine Krankenkasse, die Techniker-Krankenkasse – also eine der Vereinigungen, die aus Rentabilitätsgründen ein Interesse an möglichst gesunden Mitgliedern hat -  untersuchte Stresslage und Stressfaktoren an ca. 1000 Probanden, um unter anderem dem seit 2003 um 17% gestiegenen Burnout- Syndrom  auf die Spur zu kommen. Stressfaktor Nr. 1 ist der Job und hier der Job der Hausfrauen/Männer noch vor dem der Manager.

Wie so das denn? Image
 
Können oder wollen wir das glauben? Verabschiedete sich doch einer meiner Onkel früher von seiner Frau, einer Hausfrau und zweifachen Mutter,  mit dem Spruch: jetzt hast du ja frei, bis ich heute Nachmittag wiederkomme. Und habe ich selbst als dreifache und berufstätige Mutter erst vor Jahren, auf einem Zeitmanagement-Seminar, nachdem ich auftragsgemäß ein paar Tage lang alle 15 Minuten notierte was ich gerade tat, mit großem Erstaunen gelernt, was ich tagtäglich leiste!!

Ganz ohne Studie: Hausfrauen /–männer leisten Arbeit zu Hause – für einen Ehemann/Partner, für Kinder, für pflegebedürftige Eltern und andre Angehörige, alles was unter den Begriff der Fürsorge und Pflege fällt an Menschen und Sachen (wenn es nicht gerade das Auto oder die Elektrik ist). Dabei gibt es die Hausfrau, die Hausfrau und Mutter bzw. Tochter, die Hausfrau und Berufstätige, die Hausfrau, Mutter und Berufstätige.
Allen gemeinsam ist:
•    Sie erledigen einen erheblichen, wenn nicht den größten Anteil an Fürsorge und Pflege in unserer Gesellschaft.
•    Sie bekommen keinen Lohn und keine Anerkennung, ihre Arbeit bleibt so selbstverständlich wie unbemerkt.
•    Geht Frau in die Berufstätigkeit, bleibt ihre bisherige Haushalts- und Familienarbeit erhalten, evt. teilweise gemindert durch bezahlte Kinderbetreuung oder Putzfrauen, immer aber bleibt genug Arbeit übrig um mit Recht und Fug von Doppelbelastung zu sprechen.

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(c) Jyn Meyer

Das zu Hause als Zusatz- Stress

Schon vor vielen Jahren gab es eine Untersuchung in Skandinavischen Ländern, die feststellte, wie unterschiedlich berufstätige Mütter/Hausfrauen nach dem Job nach Hause kommen, im Unterschied zu berufstätigen Männern/Vätern: sie kamen lediglich an einen neuen Arbeitsplatz und planten auf dem Heimweg schon den nächsten Einsatz, effizient, ökonomisch…


Blutdruckwerte belegten das eindrücklich. Der Mann hatte evt. auch die Stress-Nachwehen des getanen Jobs, kam aber zum Relaxen und an den gemachten Tisch nach Hause…
Dass dies häufig so geschieht, dafür sprechen die gestiegenen Berichte und Untersuchungen zum Herzinfarkt bei Frauen: seit Jahren sind die Zahlen steigend, bei Frauen wird der Infarkt aber nicht so schnell erkannt, danach auch schlechter versorgt, weil Herzerkrankungen immer noch als typische Männer- und hier besonders Managerkrankheiten gelten!

220% Leistung

Aus eigener Erfahrung, jenseits der Studien, kann ich berichten: alles zusammen – Beruf/ home und kids/Regeneration durch das Verfolgen eigener Interessen/Hobbies geht eigentlich nicht.
Oder so: ginge nur, wenn alle Säulen zusammen wieder 100% ergäben. Aber 75% Beruf und 75%,Kinder und Haushalt sind schon 150% - ohne die Regeneration gerechnet, die auf der Strecke bliebe – übrigens ganz übereinstimmend mit der TK-Studie: einer der Gründe für den Burnout gerade im Hausfrauenjob ist die Aufgabe eigener Interessen zugunsten des Familien-Haushalts-Jobs. Was statt dessen aufgeben? Kinder und Haushalt? Nicht mehr arbeiten gehen und wieder „nur“ zu Hause sein??
Ich habe für meine Person schon vor Jahren entschieden, dass die Regeneration nicht auf der Strecke bleiben darf. Dafür habe ich eingespart: ein bisschen bei den Kindern, nicht immer das Taxi machen… nicht ohne deren Protest, aber dann sage ich mir: so werden sie selbstständiger.
Vor allem aber eingespart habe ich am Haushalt: kochen -putzen -waschen -bügeln… Darunter leide ich allerdings selber. Weil es schön ist und Grundlage, wenn die Dinge in Ordnung sind, gepflegt, sauber, vorbereitet, das Essen qualitätvoll und mit Liebe zubereitet, regelmäßig und abwechslungsreich auf den Tisch kommt, die Wäsche nicht tagelang aufs Sortieren, Falten und Wegräumen warten muss.

Ich brauche eine Hausfrau!

Mein Job ist hart, wenn ich nach Hause komme, würde ich gerne etwas Warmes zu essen haben, möchte nicht, dass Staub und Wäsche mich anstarren: bitte erledige mich. Ach und dann ist da noch das Einkaufen und Schleppen…
Es ist schön, sein Leben auf der Grundlage des erledigten Basisprogramms an Fürsorge zu entfalten. Dafür braucht es jemanden, der dieses Basisprogramm erledigt.
Heute weiß ich, dass meine Mutter das getan hat für drei Kinder, lange habe ich das nicht im ganzen Ausmaß würdigen können. Sie konnte wegen des Krieges nichts lernen, sich später nicht in einem Beruf „verwirklichen“ und hat dann auch Ehe und Familie in bescheidenen Verhältnissen akzeptiert, aber hat die Basis geschaffen auf der drei Menschen z.T. glänzende Berufe ergreifen und ausüben können. Ihre Töchter und Schwiegertöchter sind heute Mütter und beruftätig. Bisher ohne Herzinfarkt. Hoffentlich noch lange.

Die Lösung? Image

Einsicht. Einsicht in die Notwendigkeit weiblicher Fürsorge für alle Lebensprozesse. In die Wertschätzung, Bezahlung, Bereitstellung von Zeit, Personal, Geld für diese Arbeit, ohne die keine Gesellschaft überleben kann. Und dies nicht allein den Frauen überlassen!
Mein Ratschlag für Betroffene: Nicht ins nächste Seminar „Kinder, Haushalt und Beruf noch optimaler unter einen Hut bringen“ – das ist nur ein Synonym für die noch effektivere Ausbeutung von Ressourcen. Nein:  Bewusstwerden. Nein sagen lernen. Energiekanäle bewusst öffnen und schließen. Alle Männer und Kinder leben von der Energie von Frauen. Mit Liebe egoistisch werden. Um möglichst lange gesund sein zu können für eine sehr schöne Aufgabe, die Frauen übrigens im Blut liegt: Leben zu geben, zu nähren und zu erhalten – aber nicht nur das der anderen!!

Martha Feudel

 
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