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"Versöhnung ist die höchste Form des Dialogs." (Kofi Annan) 
Die UNO hat das Jahr 2009 zum Internationalen Jahr der Aussöhnung ausgerufen. Seit 2005 findet bereits jährlich eine Woche der Versöhnung statt, mit weltweiten Projekten: zur Versöhnung von Juden und Muslimen in Israel und Palästina, Versöhnung Beteiligter am Genozid in Ruanda, Versöhnung von Mensch und Natur, von Eltern und Kindern, mit dem Älterwerden, mit dem eigenen Körper. Die Komaja Gesellschaft für die Kultur der Liebe, e.V. schließt sich auch in diesem Jahr der weltweiten Versöhnungsinitiative an und zwar mit einer Meditationsreihe zum Thema Versöhnung des Menschen mit seiner Sexualität. Der erste Abend findet am Dienstag, den 16.06.09 im Komaja Zentrum – Köln, um 20 Uhr statt. Thema: „Gibt es eine UN Friedensmission für den Krieg zwischen den Geschlechtern?“
Wozu das!?
Brauchen wir denn wirklich Versöhnung auf dem Feld der Partnerschaft und der Sexualität!? Ist das nicht Schnee von gestern? Sind wir nicht so aufgeklärt, so frei wie nie zuvor!? Natürlich nicht!!!
Wenn wir nur ein wenig weiter gucken über unseren westlichen Tellerrand, dann werden wir leicht entdecken, dass mit religiös und ethnisch begründeten Zwangsehen, mit Millionen von Genitalverstümmelungen an Frauen, mit Sex-Tourismus und Zwangsprostitution, Benachteiligung Homosexueller etc. ungeheuer viel Kriegerisches und Leidvolles im „Heiligen Land“ der Sexualität geschieht - das nach Befriedung und Versöhnung geradezu schreit.
Auch zu Haus kein Sonnenschein
Und auch wenn wir innerhalb unseres westlichen Tellerrandes tiefer und genauer hinschauen, dann entdecken wir den gleichen Krieg, nur auf anderen Ebenen, ein wenig versteckter: 1. Die Frauen führen einen immensen Kampf gegen ihren eigenen Körper mit Diäten, qualvollem Training, mit Schönheitsoperationen (darunter immer mehr Genitalchirurgie z.B. mit Klitoris- Korrekturen), mit Modezwang, Schminke, etc.
2. Auch der Kampf zwischen den Geschlechtern ist nicht zu übersehen: a) auf Männer-Seite: in der Wahrnehmung jüngerer Männer-Generationen werden die Frauen als zu mächtig, weil unabhängiger, erlebt und darauf reagiert man mit neuen Macher-Macho-Seduction-Schulungen (bewusst auch mit Anleihen aus dem esoterisch- okkulten Wissen) um Macht, Fähigkeit im Kampf mit dem anderen Geschlecht zu erlangen, zu steigern. b) auf Frauen-Seite: durch berufliche und finanzielle Sicherheiten zwar viel unabhängiger, sind Frauen jedoch (durch die gleich gebliebene Aufgabe des Kinderkriegens/-aufziehens und andrer weiblichen Fürsorgeleistungen für die Gesamtgesellschaft) schnell in die Falle der Doppelbelastung geraten. Was nicht selten zum Zusammenbruch führt - und natürlich nicht in die liebevolle Intimität mit dem eigenen Körper, der eigenen Sexualität und dann auch nicht der partnerschaftlichen.
3. Dass wohl etwas nicht stimmt im „Hause Dänemarks“, davon zeugen auch die therapeutischen Praxen, die hierzulande und europaweit voll sind mit Patienten, deren Probleme häufig genug mit sexuellen Themen - in der Kindheit, in der gegenwärtigen Ehe, am Arbeitsplatz etc. zusammenhängen.
Viktorianische Hippies
So ungefähr die Bestandsaufnahme. Die „Befreitheit“ ist im Vergleich zum prüden viktorianischen Zeitalter oder gar zur Zeit der Hexenverbrennungen nicht zu leugnen, aber dafür lediglich graduell!
Auf dem Terrain des Körpers, dem Terrain der Sexualität herrscht weiterhin ein wettkampforientierter und schlimmstenfalls kriegerischer Umgang und zwar aus verschiedenen Gründen.
Bin ich als Frau denn wirklich damit versöhnt, dass auch ich sexuelle Bedürfnisse habe? Die sich vielleicht unterscheiden von denen des Partners? Und dass die Verständigung mit den Partnern darüber so verdammt schwer ist? Bin ich als Frau denn damit versöhnt, einen Körper zu haben, der nicht mehr der eines jungen Mädchens ist? Bin ich damit versöhnt, überhaupt eine Frau zu sein, mit den Jahrhunderten unterdrückter weiblicher Sexualität in den Genen? Sind die Männer damit versöhnt, dass das in ihnen ablaufende genetische Programm sie oft so nah an die Grenze zur Gewalt und so oft darüber treibt? Sind sie andererseits mit dem Teil versöhnt, der gar nicht ewig so phallisch daher kommen möchte? Sind sie als Männer eigentlich damit versöhnt, von einer Frau geboren worden zu sein – oder liegt hier schon immer ein verborgener Stachel, verantwortlich für viel Leid und Rache an der Frau – und gerade an ihrer Sexualität und gerade an ihrer Vagina, dem Tor des Lebens, durch das wir alle diese wundersame Welt betraten? Voraussetzung - Respekt
Ich war vor ein Paar Jahren dabei, als bei einem speziellen Gottesdienst in der Komaja-Gemeinschaft, in deren Zentrum im Süden Deutschlands, ein für mich bis dahin beispielloser Akt der Versöhnung geschah: stellvertretend für alle Männer, Väter, Söhne der Menschheitsfamilie ging ein Priester der Gemeinschaft zu einer Frau, die stellvertretend für alle Frauen, Mütter und Töchter da saß, bat sie im Namen aller Täter der Welt um Verzeihung und warf sich vor ihr nieder. Alles daran – die Worte, die Geste und das ganze Ausmaß der Stellvertretung – berührte alle Anwesenden bis auf die Knochen. So beginnt für mich Versöhnung - sich verbeugend vor dem anderen. Mit Einsicht. Mit Mitgefühl. Trennung aufgebend.
Wirkliche, ehrliche Versöhnung zwischen verfeindeten Parteien und gesellschaftlichen Gruppierungen, Versöhnung zwischen Mann und Frau, aber setzt die Versöhnung in sich selbst voraus. Solange mein weißer und schwarzer Anteil in mir, meine Frau und mein Mann in mir, mein aktiver und passiver Pol in mir sich nicht die Hand reichen, kann das im Außen nicht wahrhaft stattfinden.
Wozu dann so ein Artikel online? Wozu Meditationsabende auch in diesem Jahr zu diesem Thema? Weil ich glaube, dass in all den Aktivitäten und Veranstaltungen des Versöhnungsjahres (ersichtlich aus der Aktivitäten-Liste von www.global-balance.de) die Aussöhnung der Männern wie Frauen mit ihrer Sexualität nicht fehlen darf. Weil ich erinnern möchte an die gottgegebene Kraft und Schönheit der Sexualität, die - richtig verstanden und gelebt - bereits in sich die Versöhnung von Himmel und Erde, von Göttlichem und Menschlichem trägt. Dalija Engel
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