Sexsüchtig oder hypersexuell?

SHAME

Der neue Film von Steve McQueen, 2011

Der New Yorker Geschäftsmann masturbiert morgens unter der Dusche, dann noch einmal im Büro, gabelt jede Menge One-Night-Stands auf, verkehrt mit Edel-Prostituierten, hat auch den Bürorechner voller Pornos und besitzt viele Pornoheftchen. Als sich seine chaotische, mit einem Haufen psychischer Probleme belastete Schwester Sissy bei ihm einquartiert, wird sein bisheriges Leben reichlich eingeschränkt. Sein Bürorechner wird wegen einem Virenproblem untersucht und seine Pornos werden dabei entdeckt.

Brandon wirkt zerrissen zwischen dem Bedürfnis nach Nähe und der gleichzeitigen Abwehrhaltung vor langanhaltender Intimität. Als er bei dem Liebesspiel mit Marianne impotent ist wird seine Unfähigkeit für tiefere Bindungsgefühle deutlich.

Ist Brandon sexsüchtig oder ist er hypersexuell?

In der Psychologie ist man da sich noch nicht ganz einig. Da der Begriff „Sucht“ zunehmend inflationär benutzt wird hat sich die WHO sich von dem Begriff distanziert und spricht eher von der Hypersexualität. Nach P. Carnes ist Hypersexualität

Ein außer Kontrolle geratenes Verhalten, das einhergeht mit den klassischen Anzeichen für Sucht – Besessenheit und Machtlosigkeit.

Dies macht schon deutlich dass eine Diagnose schwer zu stellen ist. Endscheidend für eine Sex-Sucht ist das wegen des gesteigerten sexuellen Verlangens (ähnlich wie bei Alkohol) soziale Kontakte, Körperpflege oder Aufgaben am Arbeitsplatz oder allgemeinen Leben extrem vernachlässigt werden.

Der Gedanke an Sexualität besteht den ganzen Tag und verdrängt allmählich alles andere. Die Reize müssen immer stärker werden, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Es gibt zwar keine allgemeingültige Grenze, ab der jemand als sexsüchtig gilt. Doch typische Anzeichen weisen darauf hin, dass es sinnvoll wäre, sich professionelle Hilfe gegen ein Abdriften in die Selbstzerstörung zu suchen.