• German
  • English
Home | Sex, love and partnership | Die Zukunft der Partnerschaft

Interview mit dem Präsidenten der Weltassoziation für sexuelle Gesundheit (WAS) Eusebio Rubio Aurioles - Sidney 2007

Die Zukunft der Partnerschaft


Eusebio Rubio Aurioles und A.A.Makaja

Makaja: Was prophezeien Sie als Experte, wie werden die liebeserotischen Partnerschaften und Ehen in ca. 20 Jahren aussehen?

Eusebio: Ich denke, sie werden so ähnlich wie heute aussehen, aber mit viel mehr Respekt, mit viel mehr – vielleicht nicht Toleranz – aber Akzeptanz für die ganze Vielfalt, die die menschlichen sexuellen Erfahrungen kennzeichnet. Ich bin ehrlich davon überzeugt, dass dies geschehen wird.
Ich meine nicht, dass durch die Befürwortung eines solchen aufgeklärten Zutritts alle Menschen homosexuell werden oder Befürworter von offenen Ehen, polyamorisch usw.  - das auf keinen Fall! Aber der Respekt für die verschiedenen sexuellen Orientierungen und für die Eigenwahrnehmungen der Menschen als sexuelle Wesen wird steigen. Dies wird eine Steigerung des allgemeinen Wohlergehens zur Folge haben.

A.A.Makaja, Eusebio Rubio Aurioles, Rimini B. SazdanovskaMakaja: Sie meinen also, dass die Gesellschaft gesünder werden wird?

Eusebio: Auf jeden Fall! Und wir werden sehr wahrscheinlich imstande sein, einige Probleme gar nicht erst entstehen zu lassen, oder sie zumindest in einem sehr frühen Stadium aufzuspüren. Es kann natürlich auch geschehen, dass wir den Kampf gegen die Unwissenheit verlieren und dann wird sich nichts weiter entwickeln

Makaja: Was sagen Sie zum unglaublichen Anstieg der Ehescheidungen heutzutage?


Eusebio: Die wahre Veränderung sehe ich darin, dass die Menschen es akzeptiert haben, dass die Ehe nicht etwas ist, was man nicht hinterfragen darf. Das ist die wahre Veränderung. Ich denke, dass es heutzutage so gut wie keine Gesellschaften gibt, in welchen die Ehe nicht mehr in Frage gestellt werden darf, wo man einmal geheiratet hat und das war es. Also das Zugeben, dass dieses commitment bis ans Ende des Lebens vielleicht nicht verwirklicht werden kann, das ist eine Richtung der Veränderung. Die zweite Richtung: ich bin überzeugt, dass die Akzeptanz und Anerkennung verschiedener Formen der Ehe auch zunehmen wird.

Makaja: Der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer lebt derzeit in seiner fünften Ehe und der Exkanzler Gerhard Schröder in seiner vierten…

Eusebio: … Ja, vielleicht schaffen es einige Menschen, oder versuchen es mindestens, , member of WASaber ich z.B. kann das nicht. Die Ehe ist nicht etwas vollständig universelles, obwohl dieses Bedürfnis nach einer Ehe seit eh und je irgendwo da gewesen ist. Die Katholiken erachten die Ehe als einen Regulator des Sexuallebens, aber im Spiegel der Geschichte ist dies nicht die wahre Funktion der Ehe…

Makaja: … Das ist sie nie gewesen!

Eusebio Rubio AuriolesEusebio: … Ja, ist sie nie gewesen … Die wahre Funktion der Ehe ist die Regulierung der langfristigen Lebensprozesse, der langfristigen gemeinsamen Projekte. Eine weitere wichtige Funktion ist die Ehe als Form für die Öffentlichkeit. Wenn sie eine gute Ehe haben und alle wissen, dass sie verheiratet sind, haben sie dadurch gesellschaftliche Vorteile. Deswegen denke ich, dass wir auf diesem Feld keine größeren Veränderungen in den nächsten zwei Jahrzehnten sehen werden.
Aber das, was schon angefangen hat, ist die Tatsache, dass wir Zeugen von homosexuellen, gleichgeschlechtlichen Ehen sind. Es besteht ein klarer Trend der Anerkennung, dass es Homosexuelle gibt, dass sie zusammenleben wollen, dass sie daraus ein Lebensprojekt machen wollen und dass das wirklich völlig in Ordnung ist. Sie wollen die Anerkennung der Gesellschaft und sie werden sie bekommen, wenn sie heiraten. Das ist die Essenz der Ehe.

Also zwei Veränderungen: Zum einen die Anerkennung der Ehe als zeitlich begrenzte Institution, d.h. Revision der Ehe als Institution für das ganze Leben. Das geschieht so gut wie überall. Zum anderen gibt es eine Steigerung der Vielfalt an Eheformen. Ich denke, das wird  ein weiterer Trend sein!
Und noch etwas, was es seit eh und jeh gegeben hat – viele Menschen werden sich entscheiden nicht zu heiraten. Ich hoffe, dass die Menschen, die nicht heiraten wollen, wirklich nicht heiraten werden. Und der springende Punkt dabei ist, dass sie aber trotzdem das Recht auf sexuellen Ausdruck haben. Viele Menschen in vielen Gesellschaften heiraten nämlich um Sex haben zu dürfen.

 

Das Interview für Sexpresso hat Aba Aziz Makaja, Mitglied der WAS, bekannter Sexologe und Gewinner des Sexual Intelligence Award für 2004 anlässlich des Weltkongresses der WAS in Sydney 2007 geführt.